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2. Kapitel

Im Goldenen Reich gibt es kaum Morde, vor allem nicht außerhalb der großen Städte. Früher, vor über 500 Jahren, als noch die Männer an der Macht waren, waren Mord und Totschlag an der Tagesordnung. Doch die jahrzehntelangen Hexenkriege haben den Menschen hier den Blutdurst abgewöhnt, so zumindest meine Theorie. Außerdem haben es die Menschen bei uns gut, sogar di…

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1. Kapitel

Seit ich denken kann, wollte ich nichts anderes werden als eine Gardistin und abends nach einem langen Arbeitstag nach Hause zu kommen zu einem liebevollen Mann, der mit einem Lächeln und einer leckeren Mahlzeit auf mich wartet. Mehr hätte es nicht gebraucht, um mich glücklich zu machen. Doch das Leben wollte es anders.

Ich gebe zu, dass Geor…

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Prolog

Ich dürfte eigentlich gar nicht hier sein.
Gut, mag nun die eine oder andere denken, das würde vermutlich jede in dieser Situation sagen. Zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, kann etwas ziemlich Schlimmes sein. Jetzt und hier würde ich jede bemitleiden, die in meiner Situation wäre. Und mir gleichzeitig – nicht bösartig, aber zumindest mit gerunzelter Stirn – denken, dass diejenige ja schon irgendwie … naja, nicht selbst Schuld wäre,nein, aber dennoch … sagen wir … unvorsichtig gewesen wäre.


Ich hätte es besser wissen müssen, weiß die Göttin, und jetzt stehe ich hier umgeben von lauter Menschen, die mir ans Leder wollen.
Das mit dem „ans Leder gehen“ meine ich übrigens ernst: Vor mir vibriert gerade ein Türknauf unter der Magie der einen Hauptverdächtigen, während hinter mir die andere Hauptverdächtige langsam den Dreh herausbekommt, wie man eine schwere Eisentür mit Hilfe von Ranken aufbekommt. Ich muss zugeben, dass ich diese Art der Pflanzenmagie bislang unterschätzt hatte. Immerhin können normale Pflanzenwurzeln auch Mauerwerk zum Einsturz bringen, wenn sie genug Zeit haben, nicht wahr?

Und hinter den beiden Damen – da mache ich mir gar nichts vor – stehen noch weitere Personen Schlange. Beliebt gemacht habe ich mich bei keiner von ihnen, so viel steht fest, doch nur eine will mich mit Sicherheit töten.
Ich sollte endlich etwas tun – stillzuhalten ist ja auch sonst nicht meine Art. Ich befinde mich in einem kleinen Zimmer mit zwei Ausgängen, hinter beiden lauert jeweils eine Hauptverdächtige. Und ich überprüfe das Fenster nochmals, aber ja, sie halten es mit einer magischen Sperre noch immer verschlossen. Die Türen werden nicht mehr lange halten, trotz der Möbelstücke, die ich davorgeschoben habe, Ich muss diesen Raum verlassen, und zwar sofort. Dafür müsste ich allerdings wissen, wer hinter welcher Tür auf mich lauert. Ich weiß, welche Frauen gerade die Türen bearbeiten und ich meine auch zu wissen, wer sich hinter der jeweiligen zusammengefunden hat. Wer auf wessen Seite steht. Haarfeine Unterschiede, die jetzt über mein Leben entscheiden werden. Hinter einer der Türen wartet Hilfe, hinter der anderen mein Tod. Öffne ich die letztere, wird es zu einem Handgemenge kommen und meinen Tod werden sie wie einen tragischen Unfall, geschehen im Eifer des Gefechts, aussehen lassen.

Ich muss hier raus. Die alles entscheidende Frage lautet also: Hinter welcher Tür – Glut oder Ranken – wäre ich in Sicherheit?
Oder anders ausgedrückt: Wer hat Verena Konstanze ermordet?

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Racheträume – Kapitel 25


25



»Das war Rettung in letzter Sekunde«, meine ich zu Rosa.
»Die wird ganz schöne Kopfschmerzen haben«, sagt sie und lacht.
Von der Straße weiter oben sind Sirenen zu hören. Ich schaue hinüber und sehe die Blaulichter durch die Bäume blitzen.
»Los!«, faucht Rosa. »Schneller, oder willst du dich erwischen lassen?«
Mein Fuß meldet sich mit stechenden Schmerzen…

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Racheträume – Kapitel 24


24



Es war früher Vormittag, als Schreiner aus dem Krankenhaus kam und völlig ermattet die Haustür hinter sich zusperrte. Tschannen war so freundlich gewesen und hatte sie nach Hause gefahren. Sie schlüpfte aus den Schuhen, legte das Holster und die Handschellen, die sie wieder zurückbekommen hatte, ab und zog noch in der Diele die Hose aus. Ihre Händ…

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Die Raupe und der Schmetterling – Oliver Bruskolini

Kennst du das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn sich all deine Pläne für die Zukunft innerhalb eines kurzen Moments zerschlagen? Es ist, als ob ein Glasgebilde von einem Hammer getroffen wird und in Sekundenbruchteilen in tausende Splitter zerspringt. Jeder Mensch geht anders damit um, doch am Ende bleiben nur zwei Möglichkeiten. Du kannst dich in den Scherben suhlen und de…

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Racheträume – Kapitel 23


23



Das Licht der Laterne flackerte und machte es schwer für Schreiner genauere Mimik und Gestik ihres Gegenüber zu erkennen.
»Iris Manser?«, fragte sie, ihre Hand zum Holster wandernd.
Von Sekunde zu Sekunde, die Schreiner damit verbrachte die vermutete Iris Manser zu mustern, wurde ihr deutlicher, dass das spärlich erkennbare Profil und die Haare nicht übereinstimmten mit de…

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Racheträume – Kapitel 22


22



In Gedanken versunken saß sie auf dem Sofa, die Ellbogen auf den Knien abstützend, die Hände zu Fäusten geballt, das Kinn darauf gelegt. Jetzt war klar, wie jemand in das Haus kommen konnte: durch den Keller.
Mit leerem Blick starrte sie den leergegessenen Teller an.
Das Klingeln ihres Handys ließ sie aufschrecken. Tschannen.
»Ja.«
»Hey, Schreiner. Ha…

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Racheträume – Kapitel 21


21



Das mehrmalige Klopfen lässt mich erschaudern. Ist das die Polizei? Nein, das kann nicht sein. Die hätte sich zu erkennen gegeben. Wer zum Teufel war das?
»Hey, mach auf«, brüllte es draußen.
Ich schlucke schwer, trete an die Tür. Es gibt keine andere Möglichkeit für mich, als sie zu öffnen. Ich schaue zum Fenster, traue mich abe…

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Racheträume – Kapitel 20


20



»Felix«, krächzte Schreiner erschrocken und schaute ihn argwöhnisch an. Sie räusperte sich, sich vor ihm wiederzufinden verschlug ihr die Sprache. »Findest du das etwa witzig?«
»Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken.«
»Was zur Hölle soll das?« Die Arme vor der Brust verschränkt legte sie eine Pause ein, dann fuhr sie fassungslos fort: »Das bist du die ganz…